Zeithistorische Kontextualisierung

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Zeithistorische Kontextualisierung 2018-06-22T11:03:18+00:00

AG-Team „Kontextualisierung“

  • Wolfgang Dunkel
  • Thomas-Eilt Goes
  • Claudia Niederée
  • Harald Wolf
  • Heidemarie Hanekop

Über die studienbezogene Kontextualisierung hinaus (Stichwort Metadaten ) ist es für qualitative Sekundäranalysen erforderlich, Dokumente und Studien einer zeithistorischen Kontextualisierung zu unterziehen, da sowohl die Inhalte der Interviews wie auch die zeitgenössischen politisch-sozialen oder wissenschaftlichen Bezüge der Primärstudien im Laufe der Zeit immer schwerer verständlich werden. Zu diesem Zweck wird das in der Datenbank enthaltene qualitative Primärmaterial mit verschiedenen externen Informationsbeständen verknüpft, etwa mit veröffentlichten Studien zu ähnlichen Fragestellungen oder mit anderen (digital vorliegenden) Quellen, die Aufschluss über den Entwicklungsstand der bundesrepublikanischen Politik, Ökonomie und Gesellschaft, über internationale Entwicklungstendenzen oder über den Zustand der betreffenden Betriebe und Branchen zu einem bestimmten Zeitpunkt geben können.

Die Ausgangsüberlegungen darüber, welche Querverbindungen im Sinne einer solchen zeit- historischen Kontextualisierung nützlich wären, werden dabei zunächst von Seiten der SozialwissenschaftlerInnen formuliert. Die IT- und InformationswissenschaftlerInnen bringen dann ihre Kenntnisse über existierende Textkorpora ein (darunter etwa Zeitungsarchive, die Aufschluss über die zu einem bestimmten Zeitpunkt diskutierten Themen geben oder Thesauri, aus denen der zum Erhebungszeitpunkt einer Studie gebräuchliche Wortschatz hervorgeht).

Erste exemplarische An- und Einbindungen relevanter zeithistorischer Quellen werden – ausgehend von konkreten Erfordernissen in einzelnen Pilotprojekten – z.Zt. entwickelt: Für das Projekt „Produktive Mobilmachungen, Rationalisierungskonflikte und wettbewerbszentrierte Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie 1980 – 2005“  wurden etwa die „Gewerkschaftlichen Monatshefte“ und Managementbücher von Arbeitsdirektoren des Volkswagenkonzerns eingepflegt. Hinzukommen wird beispielsweise statistisches Material, das über relevante sozioökonomische Rahmenbedingungen informiert, etwa Statistiken zur Export- oder Arbeitsmarktentwicklung. Für das Projekt „Fragmentierte Arbeit in der Automobilindustrie seit 1980 “ werden analog Anbindungen an externe Quellen, die über den Rationalisierungs- und Managementdiskurs im Untersuchungszeitraum Aufschluss versprechen (z.B. Archive von Verbands- und Professionszeitschriften), geprüft und erprobt.

Die Quellen, aus denen die zeithistorischen Kontextinformationen stammen, müssen informationstechnisch aufbereitet werden; dies setzt ein Pre-Processing dieser Quellen voraus, das unter anderem die Segmentierung, automatische Annotation via Informationsextraktion (unter Verwendung bestimmter Techniken, wie Named Entity Extraction und Topic Modelling) und geeignete Formen der Indizierung umfasst. In einem nächsten Schritt ist zu klären, wie diese Kontextinformationen sortiert und wie sie in einer Weise präsentiert werden können, die ForscherInnen im Umgang mit älteren Dokumenten unterstützt, ohne sie über Gebühr von ihrer eigentlichen Forschungsfrage abzulenken