Der Daten­satz der GES­TE-Stu­die ist ab sofort auf der Platt­form eLa­bour ver­füg­bar. Damit ste­hen die im Pro­jekt erho­be­nen empi­ri­schen Mate­ria­li­en nun für For­schungs­zwe­cke struk­tu­riert und nach­voll­zieh­bar bereit. Die Ver­öf­fent­li­chung ermög­licht eine trans­pa­ren­te Nach­nut­zung der Daten und unter­stützt wei­te­re arbeits­so­zio­lo­gi­sche und erzie­hungs­wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­sen im The­men­feld Teil­ha­be und Gemein­wohl­ori­en­tie­rung.

Das vom BMBF geför­der­te Pro­jekt „Erzie­he­ri­sche Hil­fen als Arbeit am Gemein­wohl – Zwi­schen wir­kungs­ori­en­tier­ter Steue­rung und gleich­be­rech­tig­ter Teil­ha­be in Deutsch­land und Groß­bri­tan­ni­en (GESTE)“ wur­de zwi­schen dem 01.02.2020 und dem 31.10.2023 als Koope­ra­ti­ons­pro­jekt unter der Lei­tung von Prof. Dr. Zoë Clark (Teil­pro­jekt I; Uni­ver­si­tät Sie­gen) und Prof. Dr. Wolf­gang Menz (Teil­pro­jekt II; Uni­ver­si­tät Ham­burg) durch­ge­führt (https://geste-jugendhilfe.de/). Der Pro­jekt­ver­bund erforsch­te Par­ti­zi­pa­ti­ons- und Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten sowohl erzie­hungs­wis­sen­schaft­lich auf Ebe­ne der Adressat:innen (Teil­pro­jekt I) als auch arbeits­so­zio­lo­gisch auf Ebe­ne der Sozialarbeiter:innen und Erzieher:innen (Teil­pro­jekt II). Der vor­lie­gen­de Daten­satz umfasst die empi­ri­schen Mate­ria­li­en aus dem arbeits­so­zio­lo­gi­schen Teil­pro­jekt II. Die­ses frag­te kon­kret nach Teil­ha­be­er­fah­run­gen, Ansprü­chen und Stra­te­gien der Fach­kräf­te und ana­ly­sier­te, inwie­fern die Gemein­wohl- und Adressat:innen-Orientierung der Beschäf­tig­ten eine Arti­ku­la­ti­on und Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen als Arbeitnehmer:innen hemmt oder ver­stärkt.

Der Daten­satz besteht aus zwei Fäl­len (Fall 01 Deutsch­land; Fall 02 Eng­land), wobei der Fokus auf dem Fall Deutsch­land lag. In die­sem wur­den ins­ge­samt 35 leit­fa­den­ge­stütz­te Inter­views in Nord- und Mit­tel­deutsch­land durch­ge­führt. Von die­sen sind sie­ben Inter­views als Expert:innengespräche mit Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen, Ein­rich­tungs­lei­tun­gen und Jugendamtsmitarbeiter:innen zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Bei den ver­blei­ben­den 28 Inter­views aus ins­ge­samt fünf Ein­rich­tun­gen han­delt es sich um leit­fa­den­ge­stütz­te Inter­views mit Beschäf­tig­ten aus ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen der sta­tio­nel­len Kin­der- und Jugend­hil­fe. Bei der Aus­wahl der Interviewpartner:innen und Ein­rich­tun­gen wur­de dar­auf geach­tet, dass die Hete­ro­ge­ni­tät des Fel­des sich auch im erho­be­nen Mate­ri­al wider­spie­gel­te. Von den fünf Ein­rich­tun­gen sind zwei als kirch­li­che Trä­ger zu cha­rak­te­ri­sie­ren, einer von die­sen weist eine beacht­li­che Beschäf­tig­ten­zahl auf. Die drei Wei­te­ren sind kon­fes­si­ons­lo­se freie Trä­ger, wovon einer einen hohen Grad an Spe­zia­li­sie­rung auf­weist, ein zwei­ter ein beson­de­res päd­ago­gi­sches Kon­zept ver­folgt, wes­halb er eine Art regio­na­le Mono­pol­stel­lung auf­weist, und ein drit­ter ein recht neu gegrün­de­ter, aber schnell wach­sen­der Trä­ger ist. Typi­scher­wei­se arbei­ten die Beschäf­tig­ten in fes­ten Teams, wel­che wie­der­um orga­ni­sa­to­risch in die Gesamt­struk­tur der Ein­rich­tung ein­ge­bet­tet sind. Um die je spe­zi­fi­schen Arbeits­lo­gi­ken der Teams her­aus­zu­ar­bei­ten, wur­den nur die­je­ni­gen Orga­ni­sa­tio­nen in die Erhe­bung ein­be­zo­gen, in denen sich ein Team fand, in dem min­des­tens ein Drit­tel der Team­mit­glie­der zu einem Inter­view bereit war. Die Inter­views wur­den anschlie­ßend nach ein­fa­chen Tran­skrip­ti­ons­re­geln voll­stän­dig tran­skri­biert und der­art pseud­ony­mi­siert, dass die sozia­len Bezü­ge zwi­schen den Befrag­ten wei­ter­hin ent­hal­ten sind.

Die Erhe­bung fand unter den stren­gen Auf­la­gen der Coro­na­pan­de­mie statt, wes­halb nicht alle Inter­views vor Ort geführt wer­den konn­ten. Auch konn­ten die ursprüng­lich geplan­ten Arbeits­platz­be­ob­ach­tun­gen nicht durch­ge­führt wer­den. Von die­sen beson­de­ren Bedin­gun­gen wur­de ins­be­son­de­re die Erhe­bung im Fall 02 nega­tiv tan­giert. Da Rei­sen nach Groß­bri­tan­ni­en nicht mög­lich waren, konn­ten nur 15 Tele­fon­in­ter­views durch­ge­führt wer­den. Von die­sen wur­den sechs mit Branchenexpert:innen und Ein­rich­tungs­lei­tun­gen durch­ge­führt, die rest­li­chen neun leit­fa­den­ge­stütz­ten Inter­views wur­den in vier Ein­rich­tun­gen durch­ge­führt. Auch die­se Inter­views wur­den nach ein­fa­chen Tran­skrip­ti­ons­re­geln voll­stän­dig tran­skri­biert.