Wie ent­stand der Glau­be an die Leis­tungs­ge­sell­schaft in der Arbei­ter­schicht? Alex­an­der May­er ana­ly­siert in sei­nem neu­en Open-Access-Arti­kel die Wur­zeln moder­ner Bil­dungs­aspi­ra­tio­nen zwi­schen 1850 und 1960. Die Unter­su­chung nutzt dabei die im FDZ eLa­bour bereit­ge­stell­te Stu­die von M. Oster­land, W. Dep­pe u. a. (Der Ein­fluss von Arbeits­sphä­re und Frei­zeit­be­reich auf die Ver­hal­tens­wei­sen und Bewusst­seins­for­men von Indus­trie­ar­bei­tern, 1971–1978).

Auf die­ser Grund­la­ge unter­sucht sein Arti­kel, wie sich Bil­dungs­aspi­ra­tio­nen und der Glau­be an die Leis­tungs­ge­sell­schaft in der Arbei­ter­klas­se und der unte­ren Mit­tel­schicht in deutsch­spra­chi­gen Län­dern von der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts bis zum Beginn der Bil­dungs­expan­si­on nach dem Zwei­ten Welt­krieg aus­brei­te­ten. Auf der Grund­la­ge von 398 Auto­bio­gra­fien und Inter­views mit Män­nern und Frau­en, die über­wie­gend zwi­schen 1840 und 1935 gebo­ren wur­den, zeigt der Arti­kel, dass Bil­dungs­aspi­ra­tio­nen im 19. Jahr­hun­dert bereits wei­ter ver­brei­tet waren, als quan­ti­ta­ti­ve Unter­su­chun­gen zur sozia­len Mobi­li­tät ver­mu­ten las­sen. Aller­dings waren die­se Ambi­tio­nen in der Regel zum Schei­tern ver­ur­teilt. Um zu erklä­ren, wie sich die­se Aspi­ra­tio­nen aus­brei­te­ten, müs­sen meh­re­re Mecha­nis­men berück­sich­tigt wer­den: Bewer­tungs­prak­ti­ken in der Volks­schu­le, die zu meri­to­kra­ti­schen Ein­stel­lun­gen, Emo­tio­nen und Selbst­ver­ständ­nis­sen führ­ten; sozia­le Netz­wer­ke ver­schie­de­ner Art, die sozia­le Ver­glei­che und Wis­sens­trans­fer för­der­ten; und Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt, die die Ein­stel­lung von Eltern zu schu­li­scher Bil­dung ver­än­der­ten. Auch gene­ra­ti­ons­über­grei­fen­de Dyna­mi­ken inner­halb von Fami­li­en spiel­ten eine ent­schei­den­de Rol­le, da Eltern oft ihre eige­nen ent­täusch­ten Hoff­nun­gen auf ihre Kin­der pro­ji­zier­ten. Auf die­se Wei­se wur­den ent­täusch­te Ambi­tio­nen zu einer Trieb­kraft sozia­len Wan­dels.

Den voll­stän­di­gen Arti­kel fin­den Sie hier.

Alex­an­der May­er ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am His­to­ri­schen Insti­tut der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Mün­chen. Dort lei­tet er das For­schungs­pro­jekt „Eine Kul­tur­ge­schich­te der Leis­tungs­ge­sell­schaft, 1850–1975“.