In der his­to­ri­schen Stu­die „Das arbeits­lo­se Sub­jekt“ wur­de Arbeits­lo­sig­keit in Groß­bri­tan­ni­en und der Bun­des­re­pu­blik seit den 1970er-Jah­ren bis 1990 unter­sucht. Im Ver­gleich der wohl­fahrts­staat­lich unter­schied­lich auf­ge­stell­ten Län­der wur­de nach Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­den in der Regie­rung, Ver­wal­tung und Erfah­rung von Arbeits­lo­sig­keit gefragt.
Der Ansatz der „Sub­jek­ti­vie­rung“ erlaub­te es, die Pro­blem­la­gen von Arbeits­lo­sen in ihren brei­ten gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hän­gen zu situ­ie­ren und die hete­ro­ge­nen Effek­te einer all­ge­mei­nen sozia­len Zuschrei­bung zu kon­sta­tie­ren. Die­ser im wei­te­ren Sinn akteurs­zen­trier­te Ansatz erfor­der­te zeit­ge­nös­si­sches Quel­len­ma­te­ri­al, das Aus­sa­gen dar­über ent­hielt, wie Arbeits­lo­se sich zu ihrer eige­nen Arbeits­lo­sig­keit ver­hal­ten haben. Das Pri­mär­ma­te­ri­al sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Stu­di­en war hier­für her­vor­ra­gen­de Quel­len­ba­sis. Für das deut­sche Fall­bei­spiel wur­den u.a. Pri­mär­ma­te­ria­li­en von SOFI-Pro­jek­ten zur Arbeits­lo­sig­keit der 1980er-Jah­re aus­ge­wer­tet. Im Wesent­li­chen geschah dies in drei Schrit­ten. Zum einen wur­den die qua­li­ta­ti­ven Inter­views der Stu­di­en im Hin­blick auf Fra­ge­stel­lun­gen und Pro­blem­la­gen der his­to­ri­schen For­schung (u.a. die Bera­tungs­vor­gän­ge auf dem Arbeits­amt, die Dyna­mi­ken sozia­ler Mobi­li­tät von Arbeits­lo­sen, ihre sozio­kul­tu­rel­len Ori­en­tie­run­gen oder der Umgang mit gerin­ger Qua­li­fi­ka­ti­on) aus­ge­wer­tet. Vor allem konn­te das Selbst­ver­hält­nis von Arbeits­lo­sen in die­sen Situa­tio­nen und unter Berück­sich­ti­gung des zeit­ge­nös­si­schen sozio­lo­gi­schen Fra­ge­inter­es­ses dicht beschrie­ben und ana­ly­siert wer­den. Zum zwei­ten konn­ten die sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Ana­ly­se­mus­ter von Arbeits­lo­sig­keit in dif­fe­ren­ten sozia­len Situa­tio­nen inner­halb die­ser Kon­tex­te his­to­ri­siert wer­den. Schließ­lich wur­den in einem drit­ten Schritt die arbeits­so­zio­lo­gi­schen Moment­auf­nah­men der Ein­zel­stu­di­en durch die Ein­be­zie­hung wei­te­rer Sekun­där­ana­ly­sen sowie Archi­va­lia ande­rer Pro­ve­ni­enz sys­te­ma­tisch in einer Längs­schnitt­per­spek­ti­ve neu kon­tex­tua­li­siert, sodass fall­stu­di­en­über­grei­fen­de Aus­sa­gen zu den unter­such­ten The­men­fel­dern (Ver­wal­tung, sozia­le Mobi­li­tät etc.) mög­lich waren. Hier­durch wur­de gleich­falls die his­to­ri­sie­ren­de Per­spek­ti­ve auf die sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Ein­zel­stu­di­en und ihre jewei­li­gen Fra­ge­stel­lun­gen und Metho­den ver­stärkt.
In der Durch­füh­rung der Sekun­där­ana­ly­sen wur­den ins­be­son­de­re die Unter­schie­de in der Erhe­bung und Über­lie­fe­rungs­qua­li­tät von Pri­mär­da­ten unter­schied­li­cher Daten­ge­ber deut­lich, vor allem im Hin­blick auf die unter­schied­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Tra­di­tio­nen der bei­den Ver­gleichs­län­der bezüg­lich auf Erstel­lung und Bereit­stel­lung qua­li­ta­ti­ver Daten. Wur­den in der Bun­des­re­pu­blik qua­li­ta­ti­ve Stu­di­en, ins­be­son­de­re zum The­men­feld Arbeits­lo­sig­keit in den empi­ri­schen Sozi­al­wis­sen­schaf­ten frü­her und häu­fi­ger durch­ge­führt als in Groß­bri­tan­ni­en, sind die vor­han­de­nen Stu­di­en dort über das seit 1994 bestehen­de Por­tal des „UK Data Archi­ve“ an der Uni­ver­si­tät Essex nied­rig­schwel­lig digi­tal ver­füg­bar und gän­gi­ge Daten­grund­la­ge der zeit­his­to­ri­schen For­schung, ins­be­son­de­re in der All­tags­ge­schich­te.