C01 Die Gren­zen der Welt II: Kon­flik­te und Span­nun­gen
makro­ter­ri­to­ria­ler Grenz­bil­dung; Zwei­te För­der­pha­se vom Teil­pro­jekt des Son­der­for­schungs­be­reichs 1265: Re-
Figu­ra­ti­on von Räu­men

DOI:

https://doi.org/10.60613/

Publisher:

  • FDZ eLa­bour

For­schungs­da­ten:

Mehr­spra­chi­ge Doku­men­ten­stu­die:

  • Abkom­men
  • Rechts­vor­schrif­ten
  • poli­ti­schen Erklä­run­gen
  • Pro­to­kol­le

Daten­nut­zung:

Zugang: Platt­form eLa­bour mit Abschluß eines Nut­zungs­ver­tra­ges

Abs­tract
Als Teil des Pro­jekt­be­reichs C „Zir­ku­la­ti­on und Ord­nung“ nähert sich das Teil­pro­jekt der Fra­ge der Refi­gu­ra­ti­on von Räu­men aus der Per­spek­ti­ve der Gren­zen an. In der ers­ten Pha­se hat sich das Pro­jekt auf die Erhe­bung und Ana­ly­se von Grenz­in­fra­struk­tu­ren im glo­ba­len Kon­text kon­zen­triert und vier stark for­ti­fi­zier­te Gren­zen im Hin­blick auf ihre Bestim­mungs­grün­de ana­ly­siert. In der zwei­ten Pha­se beschäf­tigt sich das Pro­jekt mit den makro­ter­ri­to­ria­len Grenz­bil­dungs­pro­zes­sen im Zuge regio­na­ler Inte­gra­ti­ons­vor­ha­ben und deren Wir­kung auf Per­so­nen­mo­bi­li­tät. Dabei wird davon aus­ge­gan­gen, dass For­men regio­na­ler Inte­gra­ti­on eine wich­ti­ge Zwi­schen­ebe­ne zwi­schen der glo­ba­len Ebe­ne und dem natio­nal­staat­li­chen „Con­tai­ner“ dar­stel­len. Regio­na­le Inte­gra­ti­ons­pro­zes­se stär­ken viel­fach die Öff­nung und Frei­zü­gig­keit im Bin­nen­ver­hält­nis und bewir­ken – mög­li­cher­wei­se dadurch ver­ur­sacht – auch Abschlie­ßungs­pro­zes­se nach außen. Wäh­rend das Schen­ge­ner Abkom­men – voll­stän­di­ger Abbau von Grenz­kon­trol­len – die avan­cier­tes­te Form der Makro­ter­ri­to­ri­a­li­sie­rung dar­stellt, sind in ande­ren Fäl­len die Visum­be­frei­ung, erwei­ter­te Auf­ent­halts- und Nie­der­las­sungs­rech­te oder der Zugang zum Arbeits­markt typi­sche Ele­men­te. Zugleich lässt sich beob­ach­ten, dass ehr­gei­zi­ge Inte­gra­ti­ons­vor­ha­ben durch poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Ungleich­hei­ten und Kon­flik­te dau­er­haft blo­ckiert wer­den. In die­sem Teil­pro­jekt geht es des­halb auch um die Kol­li­si­on und Ver­schrän­kung unter­schied­li­cher Grenz- und Raum­fi­gu­ren und den Pro­zess der Her­aus­bil­dung neu­er Raum­an­ord­nun­gen. Grenz­wan­del der genann­ten Art ver­knüpft natio­nal­staat­li­che Ter­ri­to­ri­al­räu­me auf neue Wei­se, ver­än­dert die Gren­ze als Ort und schafft neu­ar­ti­ge Netz­wer­ke und Zir­ku­la­tio­nen, was jeweils spe­zi­fi­sche Span­nun­gen mit sich bringt. Unter­sucht wer­den soll anhand von drei exem­pla­ri­schen Fäl­len in unter­schied­li­chen Welt­re­gio­nen (EU; Mer­co­sur; ECOWAS), wie sich die Zir­ku­la­ti­on im Inne­ren und über makro­ter­ri­to­ria­le Gren­zen hin­weg ver­än­dert und wel­che Kon­flik­te dabei auf­tre­ten. Zudem soll ana­ly­siert wer­den, wie Pro­zes­se der Exter­ri­to­ri­a­li­sie­rung von Gren­zen (bei­spiels­wei­se im Rah­men der EU-Grenz­po­li­tik) in Kon­flikt mit der Raum­lo­gik durch regio­na­le Inte­gra­ti­on tre­ten kön­nen. Bei­spiels­wei­se hat die Ein­bin­dung von Mit­glieds­län­dern der West­afri­ka­ni­schen Wirt­schafts-gemein­schaft (ECOWAS) in die Migra­ti­ons­po­li­tik der EU zu weni­ger Frei­zü­gig­keit inner­halb der regio­na­len Inte­gra­ti­ons­zo­ne geführt. Das Pro­jekt nimmt eine sys­te­ma­tisch ver­glei­chen­de und fall­re­kon­struk­ti­ve Per­spek­ti­ve ein und erschließt den Gegen­stand über Doku­men­ten­ana­ly­se und Expert*inneninterviews. Lei­ten­de The­se ist hier, dass sich jeweils Öff­nun­gen im Inne­ren und Här­tun­gen im Außen­ver­hält­nis zei­gen soll­ten und sich neue Zir­ku­la­ti­ons­re­gimes her­aus­bil­den. Das Pro­jekt unter­sucht dabei, wie neue Raum­an­ord­nun­gen ent­ste­hen und wie die­se struk­tu­riert sind.
Erhe­bungs­me­tho­de / Sam­ple
Die Unter­su­chung der drei Regio­nen wur­de aus einer rekon­struk­ti­ven und ver­glei­chen­den Per­spek­ti­ve durch­ge­führt (Ger­ring, 2006). Zu den pri­mä­ren Metho­den zähl­ten die Doku­men­ten­ana­ly­se und Expert:inneninterviews. Zunächst wur­de eine umfang­rei­che Lite­ra­tur­re­cher­che durch­ge­führt, gefolgt von einer Doku­men­ten­ana­ly­se (Bowen, 2009; May­ring, 2016). Zur Ergän­zung der Erkennt­nis­se wur­den Expert:inneninterviews mit rele­van­ten Stake­hol­dern durch­ge­führt. Die Inter­views wur­den ange­lehnt an die Metho­dik des pro­blem­zen­trier­ten Inter­views nach Wit­zel und Rei­ter (2012) geführt, die offe­ne ein­lei­ten­de Fra­gen mit situa­ti­ons­in­du­zier­ten Detail­fra­gen zu spe­zi­fi­schen Pro­blem­kom­ple­xen kom­bi­niert. Unter den Befrag­ten waren Vertreter:innen regio­na­ler und natio­na­ler Regie­rungs­in­sti­tu­tio­nen sowie Vertreter:innen der Zivil­ge­sell­schaft, ein­schließ­lich Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, migran­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen und der Wis­sen­schaft. Für das FDZ Ela­bour wur­den hin­ge­gen aus­schließ­lich die Doku­men­te über­mit­telt, ohne wei­ter­füh­ren­de Aus­wer­tun­gen oder Inter­pre­ta­tio­nen; auch die durch­ge­führ­ten Inter­view­da­ten sind nicht ent­hal­ten. Daher liegt hier rein eine Doku­men­ten­stu­die vor.
Es wur­den in jeder der drei Regio­nen drei Mit­glied­staa­ten als Unter­su­chungs­fäl­le aus­ge­wählt. Die­se „illus­tra­ti­ve case stu­dies“ dien­ten nicht zum Ver­gleich zwi­schen den ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten, son­dern als empi­ri­scher Zugang zu typi­schen Pro­zes­sen für den Ver­gleich der drei Regio­nen. Aus for­schungs­prag­ma­ti­schen Grün­den wur­den Län­der mit gutem Feld­zu­gang aus­ge­wählt, d.h., in denen Doku­men­te aus dem poli­ti­schen Pro­zess trans­pa­tent archi­viert sind und Stake­hol­der für Inter­views erreich­bar sind. Mit Uru­gu­ay, Argen­ti­ni­en und Bra­si­li­en für den Mer­co­sur, Nige­ria, Gha­na und Sene­gal für die ECOWAS, sowie Bel­gi­en, die Nie­der­lan­de und Deutsch­land für die EU wur­den zudem sowohl wich­ti­ge poli­ti­sche Akteu­re in den Regio­nen als auch zen­tra­le Ankunfts­staa­ten für intra­re­gio­na­le Migra­ti­on gewählt, da sich dort poten­ti­el­le Kon­flik­te und Selek­ti­ons­dy­na­mi­ken am stärks­ten mani­fes­tie­ren.
Publi­ka­tio­nen
  • Bia­back Anong, D. (2025). Varie­ties of Refi­gu­ra­ti­on in Macro-Ter­ri­to­ries: Eco­no­mic Stra­ti­fi­ca­ti­on in Regio­nal Free Move­ment Regimes bey­ond Euro­pe. His­to­ri­cal Social Rese­arch, 50(4). https://dx.doi.org/10.12759/hsr.50.2025.45
  • Bia­back Anong, D., & Per­ko, Z. (2025). Free move­ment and the glo­bal colour line: ori­gin-based stra­ti­fi­ca­ti­on and race in regio­nal mobi­li­ty regimes. Jour­nal of Eth­nic and Migra­ti­on Stu­dies. https://doi.org/10.1080/1369183X.2025.2584345
  • Mau, S., Bia­back Anong, D., & Per­ko, Z. (2025). Von der Gren­ze als Rela­ti­on zu ver­grenz­ten Räu­men. In Kibel, J., Mei­er, N., Stee­ts, S., & Wei­den­haus, G. (Hrsg.), Figu­ring Out Spaces: Über die Sozia­li­tät von Räu­men und die Räum­lich­keit des Sozia­len (S. 203–217). Bie­le­feld: tran­script.
  • Per­ko, Z. (2025). Intra­re­gio­nal mobi­li­ty and free move­ment in Mer­co­sur: an inter­play bet­ween sta­te-led imple­men­ta­ti­on and sub­na­tio­nal migrant prac­ti­ces. Regio­nal Stu­dies, Regio­nal Sci­ence, 12 (1). https://doi.org/10.1080/21681376.2025.2501317
  • Per­ko, Z., & Bia­back Anong, D. (2025). Regio­nal free move­ment. Ongo­ing spa­ti­al con­flicts bet­ween macro­ter­ri­to­ri­al and natio­nal levels—A case stu­dy of ECOWAS, the EU, and Mer­co­sur. In Knob­lauch, H., Som­mer, V., & Pfetsch, B. (Hrsg.), Spa­ti­al Con­flicts and Con­flic­tu­al Spaces. The Dyna­mics of Refi­gu­ra­ti­on (S. 49–70). Lon­don: Rout­ledge. https://doi.org/10.4324/9781003542810–4
  • Bia­back Anong, D. (2024). Sel­ec­ti­vi­ty in Migra­ti­on Gover­nan­ce in the South Ame­ri­can Mer­co­sur: Sel­ec­ting-by-Ori­gin, Sel­ec­ting-by-Merit, or Not Sel­ec­ting at All?. Jour­nal of Immi­grant & Refu­gee Stu­dies (online first), S. 1–14. https://doi.org/10.1080/15562948.2024.2425787

For­schungs­in­sti­tu­ti­on

  • Uni­ver­si­tät Ham­burg

Pro­jekt­team:

  • Prof. Dr. Stef­fen Mau (Lehr­be­reich Makro­so­zio­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin)
  • Zoé Per­ko
  • Doro­thea Bia­back Anong

Stu­di­en­lauf­zeit:

2022- 2025

Euro­päi­sche Uni­on (EU)

  • Bel­gi­en

  • Deutsch­land

  • Nie­der­lan­de

Mer­co­sur (Gemein­sa­mer Markt des Südens)

  • Argen­ti­ni­en

  • Bra­si­li­en

  • Uru­gu­ay

ECOWAS (Wirt­schafts­ge­mein­schaft west­afri­ka­ni­scher Staa­ten)

  • Gha­na

  • Nige­ria

  • Sene­gal

Web­sei­te:

C01

Geför­dert durch:

Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG)