C07 Platt­form­öko­no­mie: Raum­kon­flik­te um Airbnb zwi­schen welt­wei­ter Ver­markt­li­chung und ter­ri­to­ria­ler Ein­he­gung; Zwei­te För­der­pha­se vom Teil­pro­jekt des Son­der­for­schungs­be­reichs 1265: Re-
Figu­ra­ti­on von Räu­men

DOI:

https://doi.org/10.60613/el00021

Publisher:

  • FDZ eLa­bour

For­schungs­da­ten:

Mixed-Methods-Design im Städ­te­ver­gleich:

  • Inter­views

Daten­nut­zung:

Zugang: Platt­form eLa­bour mit Abschluß eines Nut­zungs­ver­tra­ges

Abs­tract
Das Teil­pro­jekt unter­sucht die Refi­gu­ra­ti­on von Räu­men am Bei­spiel von Airbnb. Die Fra­ge ist, wie und wann sich Kon­flik­te aus den Span­nun­gen zwi­schen den Raum­fi­gu­ren Ort, Netz­werk- und Ter­ri­to­ri­al­raum erge­ben. Grund­la­ge für die­se Ana­ly­sen ist, dass ein spe­zi­fi­sches Wech­sel­ver­hält­nis von Ort und Netz­werk-raum den digi­ta­len Markt­platz von Airbnb prägt. Als ein zen­tra­les Bei­spiel für die Platt­form­öko­no­mie ermög­licht es Airbnb, welt­weit Über­nach­tun­gen zu buchen, und ver­knüpft so Orte in einem digi­ta­len Netz­werk­raum. Als cyber-phy­si­scher Raum ver­bin­det Airbnb orts­be­zo­ge­ne Eigen­schaf­ten, wie Lage und Umfeld, mit vir­tu­el­len Eigen­schaf­ten des digi­ta­len Markt­plat­zes, wie Algo­rith­men, Beschrei­bun­gen und Bewer­tun­gen. Airbnb kura­tiert dabei die orts­ge­bun­de­nen Ange­bo­te und die welt­wei­te Nach­fra­ge, um einen Pro­fit zu erwirt­schaf­ten. Wäh­rend zu Beginn unter dem Schlag­wort der „Sha­ring Eco­no­my“ vie­le auf eine nach­hal­ti­ge Art des Wirt­schaf­tens und eine digi­ta­le Gemein­schaft hoff­ten, wächst der­zeit die Kri­tik. Kri­ti­ker erken­nen in Airbnb ein Para­de­bei­spiel für ein Markt­re­gime einer radi­ka­li­sier­ten Öko­no­mi­sie­rung, das Pri­vat­un­ter­künf­te zur glo­ba­len Ware macht. Tat­säch­lich nut­zen ver­mehrt pro­fes­sio­nel­le Anbie-ter*innen Airbnb, um oft­mals meh­re­re Pri­vat­un­ter­künf­te gewerbs­mä­ßig anzu­bie­ten. Der welt­wei­te Erfolg und die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung von Airbnb erzeu­gen in vie­len Städ­ten zuneh­mend Fol­ge­pro­ble­me, wie sin­ken­de Wohn­qua­li­tät, stei­gen­de Immo­bi­li­en­prei­se und nicht-regu­lier­ten Tou­ris­mus. Dabei ent­ste­hen vor Ort Raum­kon­flik­te um Airbnb, in denen loka­le Initia­ti­ven und kom­mu­na­le Ämter ins­be­son­de­re in defi­nier­ten Ter­ri­to­ri­al­räu­men, zu denen Städ­te oder Stadt­tei­le wer­den, agie­ren. So sind ter­ri­to­ria­le Amts­ge­bie­te oft­mals Aus­gangs­punkt von Ver­su­chen, Regeln auf­zu­stel­len und durch­zu­set­zen, um Airbnb ein­zu­he­gen. Bis­her ist jedoch wenig bekannt, wie Airbnb die kon­kre­ten Orte in einen digi­ta­len Netz­werk­raum ein­bin­det und wie das kon­flikt­haf­te Wech­sel­ver­hält­nis von Netz­werk- und Ter­ri­to­ri­al­raum die Akti­vi­tä­ten auf dem digi­ta­len Markt­platz von Airbnb prägt. Das Teil­pro­jekt unter­sucht Raum­kon­flik­te und die zugrun­de­lie­gen­den Wech­sel­ver­hält­nis­se der Raum-figu­ren Ort, Netz­werk- und Ter­ri­to­ri­al­raum mit einem Mixed-Methods-Design im Städ­te­ver­gleich: Das Design ver­gleicht drei Städ­te (West­eu­ro­pa, Afri­ka, USA), um einer­seits zu prü­fen, ob Airbnb eine welt­weit ein­heit­li­che Ver­markt­li­chung umsetzt, und um ande­rer­seits auf­zu­de­cken, ob und wie loka­le Initia­ti­ven und kom­mu­na­le Ämter wirk­sa­me Ein­he­gungs­ver­su­che rea­li­sie­ren. Die quan­ti­ta­ti­ven Ana­ly­sen nut­zen Airbnb selbst als neu­ar­ti­ge Daten­quel­le. Dabei spei­chert Web Scra­ping die Daten ein­zel­ner Ange­bo­te (GPS-Koor­di­na­ten, Bewer­tun­gen, Beschrei­bun­gen usw.) als loka­len Daten­satz. Das umfasst bei­spiels­wei­se für Ber­lin, bei monat­li­chen Inter­val­len ab dem Jahr 2015, über eine Mil­li­on Beob­ach­tun­gen, die die Ange­bo­te und ihre Eigen­schaf­ten über die Zeit abbil­den. Mit die­ser hoch­auf­lö­sen­den Panel­da­ten-struk­tur und GPS-Koor­di­na­ten lässt sich der Markt­platz genau ana­ly­sie­ren und mit wei­te­ren Daten­quel­len ver­knüp­fen. Wei­te­re quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­sen prü­fen mit Daten zu Kon­flikt­er­eig­nis­sen und Panel­da­ten zu den Airbnb-Ange­bo­ten die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen dem Markt­platz und Raum­kon­flik­ten im Zeit­ver­lauf. Zusätz­li­che qua­li­ta­ti­ve Ana­ly­sen ver­tie­fen und fun­die­ren die quan­ti­ta­ti­ven Ergeb­nis­se. Aus­ge­hend von qua­li­ta­ti­ven Fall­stu­di­en ein­zel­ner Ange­bo­te erwei­tern Expert*inneninterviews die Per­spek­ti­ve um eine Ana­ly­se der Raum­kon­flik­te um Airbnb. Die­ser Schritt unter­sucht Airbnb, loka­le Initia­ti­ven und kom­mu­na­le Ämter. Vor dem Hin­ter­grund aktu­el­ler Ent­wick­lun­gen prüft das Pro­jekt abschlie­ßend, ob sich die vor­ge­fun­de­nen Zusam­men­hän­ge nach der Covid-19-Pan­de­mie pfad­ab­hän­gig fort­schrei­ben oder ob sich die Ver­hält­nis­se auf dem digi­ta­len Markt­platz von Airbnb sub­stan­zi­ell ver­än­dern.
Erhe­bungs­me­tho­de / Sam­ple
Die Stu­die basiert auf einem explo­ra­ti­ven, digi­ta­len Mixed-Methods-Design, das quan­ti­ta­ti­ve Inhalts- und Platt­form­da­ten mit qua­li­ta­ti­ven Erhe­bungs­me­tho­den ver­schränkt. Grund­la­ge der quan­ti­ta­ti­ven Ana­ly­sen bil­det ein Voll­erhe­bungs­satz von über 22.000 öffent­lich zugäng­li­chen Airbnb-Inse­ra­ten für eine Stadt in West­eu­ro­pa und Afri­ka aus dem April 2023, der über die Platt­form Insi­de Airbnb bezo­gen wur­de. Um sowohl struk­tu­rier­te Inser­at­merk­ma­le (wie Prei­se, Kapa­zi­tä­ten und Ver­füg­bar­kei­ten) als auch unstruk­tu­rier­te Text­da­ten (wie Titel, Beschrei­bun­gen und Gäs­te­be­wer­tun­gen) gemein­sam aus­zu­wer­ten, nutz­ten die Autor:innen moder­ne Ver­fah­ren des Natu­ral Lan­guage Pro­ces­sing: Die Frei­tex­te wur­den zunächst über ein sprach­ba­sier­tes Trans­for­mer-Modell ver­ar­bei­tet, gewich­tet und mit­tels UMAP dimen­sio­nell ver­dich­tet. In einem zen­tra­len Aus­wer­tungs­schritt flos­sen die­se Text-Embed­dings zusam­men mit allen übri­gen kate­go­ria­len und nume­ri­schen Varia­blen in eine Fak­to­ren­ana­ly­se gemisch­ter Daten (Fac­tor Ana­ly­sis of Mixed Data, FAMD) ein. Die­ses Ver­fah­ren aus der Tra­di­ti­on der Geo­me­tri­schen Daten­ana­ly­se erlaubt es, die grund­le­gen­den Dimen­sio­nen des Mark­tes zu rekon­stru­ie­ren und die Inse­ra­te rela­tio­nal im Raum anzu­ord­nen. Par­al­lel dazu wur­den qua­li­ta­ti­ve, semi-struk­tu­rier­te Inter­views mit Gastgeber:innen in bei­den Städ­ten geführt und mit­tels struk­tu­rie­ren­der Inhalts­ana­ly­se aus­ge­wer­tet, um deren Moti­va­tio­nen, Ori­en­tie­run­gen und Hand­lungs­lo­gi­ken zu erfas­sen. Da die Befrag­ten der Ver­knüp­fung ihrer Daten zustimm­ten, konn­ten die qua­li­ta­ti­ven Fäl­le direkt in den quan­ti­ta­tiv ermit­tel­ten Merk­mals­spei­cher pro­ji­ziert und ver­or­tet wer­den. Ana­ly­tisch gerahmt wird die­ses Stu­di­en­de­sign durch den Ansatz der Refi­gu­ra­ti­on von Räu­men, der das Wech­sel­spiel zwi­schen staat­lich-ter­ri­to­ria­ler Regu­lie­rung und digi­ta­lem Netz­werk­raum unter­sucht. Für die Nach­nut­zung wur­de aus­schließ­lich das qua­li­ta­ti­ve Daten­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung gestellt, wäh­rend die quan­ti­ta­ti­ven Platt­form­da­ten nicht ent­hal­ten sind.
Das in eLa­bour bereit­ge­stell­te Daten­ma­te­ri­al umfasst das qua­li­ta­ti­ve Sam­ple von ins­ge­samt 22 Inter­views (8 aus Afri­ka und 14 aus West­eu­ro­pa): Es wur­den semi-struk­tu­rier­te Inter­views mit akti­ven Hosts in bei­den Städ­ten durch­ge­führt (erho­ben zwi­schen Sep­tem­ber 2022 und April 2023).
Publi­ka­tio­nen
  • Pohl, Simon C., Hecht, Chris­ti­na, Kirch­ner, Ste­fan (2026).Regu­la­ti­on Ends at the Inter­face. A Digi­tal Mixed-Methods Stu­dy of Airbnb Mar­ket Struc­tures in Ber­lin and Cape Town. His­to­ri­cal Social Rese­arch 51 (1): 70-106. doi: 10.12759/hsr.51.2026.04
  • Bia­back Anong, D., Ceo­la, F., Hecht, C., Kirch­ner, S., Mar­gu­in, S., Pra­ba­ha­r­ya­ka, I., & Amer, Q. (2025). Power and space: Under­stan­ding spa­ti­al refi­gu­ra­ti­on through the lens of the regime – Working Paper No. 20. Ber­lin: TU Ber­lin. doi.org/10.14279/depositonce-24439
  • Kirch­ner, S., & Baur, N. (2025). Spa­ti­al­ly bound regimes bet­ween con­ver­gence and space depen­dence: A varie­ties-of-refi­gu­ra­ti­on per­spec­ti­ve on social chan­ge around the world – Working Paper No. 18. Ber­lin: TU Ber­lin. doi.org/10.14279/depositonce-23585
  • Kirch­ner, S., & Pohl, S. (2025). Algo­rith­mic regu­la­ti­on across phy­si­cal and digi­tal spaces. Ana­ly­zing Airbnb’s mar­ket­place in US and Euro­pean cities over time. In Knob­lauch, H., Som­mer, V., & Pfetsch, B. (Hrsg.), Spa­ti­al Con­flicts and Con­flic­tu­al Spaces. The Dyna­mics of Refi­gu­ra­ti­on (S. 140–164). Lon­don: Rout­ledge. doi.org/10.4324/9781003542810–9
  • Kirch­ner, S., Seibt, D., & Pohl, S. C. (2025). How do plat­forms chan­ge? A gene­ral frame­work appli­ed to Airbnb in Lon­don in the con­text of COVID-19 – Working Paper No. 17. Ber­lin: TU Ber­lin. doi.org/10.14279/depositonce-23543
  • Knob­lauch, H., Stee­ts, S., Kirch­ner, S., & Baur, N. (2025). Refi­gu­ra­ti­on von Räu­men erklä­ren? Über­le­gun­gen zum Ver­ste­hen­den Erklä­ren räum­li­cher Pro­zes­se in den Sozi­al­wis­sen­schaf­ten — Working Paper No. 19. Ber­lin: TU Ber­lin. doi.org/10.14279/depositonce-23578
  • Kirch­ner, S., & Pohl, S. (2024). Sel­ling out the city? Airbnb’s ama­teur and pro­fes­sio­nal lis­tings across cities, time, and hot­spots. Ber­li­ner Jour­nal für Sozio­lo­gie, 34, S. 581–609. doi.orgdoi.org/10.1007/s11609-024–00542‑3
  • Hecht, C. (2023, Janu­ar 20). Same same yet dif­fe­rent: Ers­te Annä­he­run­gen an Raum­be­zü­ge von pro­fes­sio­nel­len Airbnb Hosts [Blog­bei­trag]. SFB1265 Blog. https://refiguration.sfb1265.de/blog/same-same-yet-different/
  • Pohl, S. (2023). Airbnb: Eine klas­si­sche for­ma­le Orga­ni­sa­ti­on? — Working Paper “Fach­ge­biet Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­welt”, Nr. 6. Ber­lin: TU Ber­lin.
  • Pohl, S. (2023). Algo­rith­mic Mar­ket-Struc­tu­ring? Airbnb-Hosts zwi­schen auto­ma­ti­sier­ter Kon­trol­le und begrenz­ten Spiel­räu­men. Ber­lin: TU Ber­lin.

For­schungs­in­sti­tu­ti­on

  • Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Ber­lin

Pro­jekt­team:

  • Prof. Dr. Ste­fan Kich­ner (FAU Erlan­gen-Nürn­berg)
  • Chris­ti­na Hecht
  • Simon Pohl
  • Ales­sa Klumpp

Stu­di­en­lauf­zeit:

2022- 2025

  • West­eu­ro­pa
  • Afri­ka

Web­sei­te:

C07

Geför­dert durch:

Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG)