Interaktive Arbeit

Interaktive Arbeit 2017-08-10T14:08:47+00:00

ISF München: Interaktive Arbeit

Die zweite Pilotstudie des ISF München zum Themenfeld „Interaktive Arbeit“ war zu Projektbeginn darauf hin ausgerichtet, eine Sekundäranalyse durchzuführen, die im Unter- schied zur Pilotstudie 1 als Querschnittsanalyse angelegt war: Es sollten jüngere Studien (Zeitraum 2000 bis 2012) aus unterschiedlichen Dienstleistungsbranchen (Altenpflege, Friseurhandwerk, Erziehungsarbeit, Hotellerie, Call-Center-Arbeit, Finanzdienstleistungen, Serviceleistungen bei der Deutschen Bahn) herangezogen werden, um über einen Branchenvergleich Formen und Bedingungen interaktiver Arbeit bestimmen zu können.

Empirische Neuorientierung: Der Austausch mit den weiteren Pilotstudien, die im Projekt- verbund eLabour durchgeführt werden und die allesamt als Längsschnittanalysen angelegt sind, führte zu der Einschätzung, dass es zugunsten der Vergleichbarkeit deren inhaltlicher und methodischer Ergebnisse besser wäre, auch die zweite Pilotstudie als Längsschnitt zu konzipieren. Damit verändert sich die Forschungsfrage: Es geht nun nicht mehr um die Identifikation von Gemeinsamkeiten und Unterschieden über verschiedene Dienstleistungsbranchen hinweg, sondern um Stabilität und Veränderung interaktiver Arbeit über die Zeit hinweg. Um dies untersuchen zu können, werden nun Studien verglichen, die zu einer bestimmten Branche, aber zu unterschiedlichen historischen Zeitpunkten durchgeführt wurden. Es wurden zwei Branchen identifiziert, für die zeitlich hinreichend weit auseinanderliegende Studien in den Beständen des ISF München vorliegen: die Altenpflege und die Serviceleistungen bei der Deutschen Bahn. Im Berichtszeitraum wurden vier Studien zur Altenpflege (Zeitpunkte der empirischen Erhebungen: 1985, 1989, 2000, 2009) erschlossen und aufbereitet, mit der Auswertung wurde begonnen.

Aufbereitung der Studien und methodisch relevante Ergebnisse: Da der von der Sekundäranalyse in den Blick zu nehmende Zeitraum gegenüber der ursprünglichen Konzeption weiter in die Vergangenheit ausgedehnt wurde, entstand die zusätzliche Problematik, dass das Primärmaterial (im Wesentlichen Interviewtranskripte und Beobachtungsprotokolle) in unterschiedlicher Form vorlag: die Studie von 1985 noch nicht in digitalisierter Form, die Studie von 1989 zwar digitalisiert, aber nicht codiert, die Studien von 2000 und 2009 digitalisiert und codiert. Deshalb war es zunächst notwendig, die 1985er Studie per OCR-Erkennung zu digitalisieren und nachzubearbeiten. Auf der Basis des dann vorliegenden durchgehend digitalisierten Datensatzes wurden Möglichkeiten erprobt, bereits vorliegende Annotationen (im Wesentlichen Codierungen des Primärmaterials, die von den Primärforschern erstellt worden waren) für die Fragestellung der Sekundäranalyse nutzbar zu machen. Dabei wurden die beiden älteren, bislang nicht annotierten Studien durchgängig neu codiert, während bei den beiden jüngeren Studien bereits bestehende Codes mitverwendet wurden.

Die bei dem praktizierten Vorgehen entstandenen widersprüchlichen Ziele (Genauigkeit und Vergleichbarkeit, die durch ein einheitliches Codeschema für alle Studien am besten zu gewährleisten sind versus Effektivität und Nutzung von Zusatzinformationen, die durch die Einbeziehung bereits in der Primärstudie vergebener Codes erreicht werden) erscheinen symptomatisch dafür, mit welchen Problemen, aber auch mit welchem Gewinn Annotationen in Sekundäranalysen berücksichtigt werden können und werden deshalb im weiteren Projektverlauf systematisiert und als methodologisches Ergebnis aufbereitet wer- den.

Die Stärke des vorliegenden Materials besteht in dessen großer Homogenität des Kerns des Primärmaterials, nämlich der qualitativen Interviews: Es handelt sich durchgängig um zwar leitfadengestützte, in hohem Maße aber erzählungsgenerierende und ausführliche (Gesprächsdauer: 1 – 2,5 Stunden) Interviews mit Pflegekräften, die in vergleichbaren Arbeitssituationen stehen – sie waren zum Zeitpunkt der Interviews durchgängig als Pflegekräfte (zu einem kleinen Teil auch als Hauswirtschaftskräfte) in der stationären Altenhilfe tätig. Zudem sind alle Interviews vollständig wörtlich transkribiert und versprechen so gehaltvolles und detailreiches Material, mit dem sich insbesondere subjektive Sichtweisen von Beschäftigten rekonstruieren lassen sollten. Die revidierte, verzeitlichte Fragestellung der Sekundäranalyse 2 lautete deshalb: Wie verändern sich arbeitsinhaltliche Ansprüche von Pflegekräften über die Zeit hinweg – wo zeigt sich Kontinuität, wo zeigt sich Wandel? Mit der entsprechenden Auswertung entlang dieser Fragestellung ist im Berichtszeitraum begonnen worden, Ergebnisse sind für 2017 zu erwarten.

Erste Befunde:

Vortrag von Wolfgang Menz Februar Konferen (Datei dunkelmenz_170207.pptx)