Neue Steuerungsformen

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Neue Steuerungsformen 2017-08-10T14:08:00+00:00

(Neue) Steuerungsformen von Arbeit

BearbeiterIn: bis Juni 2017 Dr. Wolfgang  Menz, ab Juli 2017 Dr. Sarah Nies

Der Schwerpunkt der ersten Arbeitsphase lag zunächst in der Auswahl, Erschließung und Aufbereitung potenziell für die Längsschnittanalyse tauglicher Studien. Dazu wurde eine Bestandsaufnahme von in den letzten 50 Jahren am ISF durchgeführten Studien im Hinblick auf die Verfügbarkeit von qualitativ-empirischem Material vorgenommen (Archivzugang, Gespräche mit beteiligten Forscher/innen, Durchsicht in der Forschungsberichte/ Publikationen). Zugleich wurden mögliche Vergleichsstudien aus anderen Institutionen recherchiert.

Es wurde deutlich, dass die Auswahl der Studien als iterativer Prozess anzulegen und mit den ersten (Sekundär-)Auswertungsschritten sowie mit der Fortentwicklung der Fragestellung zu verschränken ist, denn erst nach einer ersten Materialauswertung kann entschieden werden, ob das Material ergiebig ist für die – teilweise noch weiterzuentwickelnde oder auch zu revidierende – Fragestellung.

Die Sekundäranalyse wurde auf zwei Branchen zu konzentriert. Ausgewählt wurden die Elektroindustrie sowie die Automobilindustrie. Drei Überlegungen spielten dabei eine Rolle: erstens handelt es sich um Branchen, die jahrzehntelang durch ein hohes arbeits- und leistungspolitisches Innovationspotenzial gekennzeichnet waren (allerdings mit Abschwächungen in den letzten Jahren); zweitens kann hier ein breites

Feld von Beschäftigten einbezogen werden (z.B. sowohl angelernte Arbeit wie qualifizierte Facharbeit; sowohl – vormals – typische weibliche Tätigkeitsfelder [z.B. in der Elektromontage] als auch stärker von Männern besetzte Tätigkeiten [z.B. Automobilfertigung]); drittens schließlich ist die Materiallage hier als zumindest ausreichend zu bezeichnen.

Es wurden drei vorläufige „Epochencluster“ definiert, denen bestimmte Studien und Materialien zugeordnet werden können:

(1) „innovative Arbeitspolitik bei klassischer Leistungspolitik“: seit Mitte der 1970er Jahre (Experimente mit neuen Formen der Arbeitspolitik, z.B. Gruppenarbeit, Aufgabenintegration, die allerdings weitgehend im Rahmen klassischer Steuerungsformen von Leistung stattfanden; Kernstudie „Grenzen neuer Arbeitsformen“ des ISF)

(2) „neue Leistungspolitik“: seit Mitte der 1990er Jahre, marktzentrierte und partizipations- orientierte Formen der Leistungssteuerung, Flexibilisierung der Arbeitsvolumina usw. (z.B. gain sharing, Leistungsvereinbarungen, marktorientierte Prämienlohnsysteme; Kernstudie „Leistungs- und Interessenpolitik aus der Perspektive von Beschäftigten“, Universität Frankfurt)

(3) „post-innovative Leistungspolitik“: seit ca. Mitte der 2000er Jahre: Fortbestehen vormals innovativer Formen der Leistungspolitik, aber wenig zusätzliche leistungspolitische Innovationen; kein weiterer Ausbau von partizipativen Formen, aber steigender Markt- und Kostendruck; ausgewählte Studien: Fallstudie aus dem Projekt „ERA“ (ISF), Fallstudie aus dem Projekt „pargema“ (ISF), ggfs. Fallstudien aus dem Projekt „Brüchige Legitimationen – neue Handlungsorientierungen“ (ISF/SOFI, ausgewählt werden Fälle aus der Empirie des SOFI).

Aufbereitung der Studien und methodisch relevante Ergebnisse: Die Gruppendiskussionen der Ausgangsstudie (Grenzen neuer Arbeitsformen) wurden vollständig mit MAXQDA kodiert. Die Experteninterviews sowie die quantitativen Beschäftigtenbefragungen wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Im Anschluss wurde der Kodierleitfaden fortentwickelt und auf erste Beschäftigteninterviews aus der zweiten Referenzstudie („Leistungs- und Interessenpolitik…“) angewendet. Die Auswertung macht deutlich, dass – trotz verschiedener Materiallücken – eine ausreichende Vergleichbarkeit hergestellt werden kann.

Als wichtiges Ergebnis zeichnete sich bereits frühzeitig ab, dass die Experteninterviews nicht ausreichend ergiebiges Material bieten um die „Subjektkonzepte“ bzw. „Adressierungsweisen“ in Hinblick auf die Beschäftigten zu analysieren (siehe Antrag) – nicht zuletzt daher, weil die Experteninterviews der Ausgangsstudie nur in zusammenfassender protokollierter Form vorliegen, die überwiegend auf „technisches“ und „Prozesswissen“, aber weniger auf „Deutungswissen“ fokussiert sind.

Im Gegenzug war das Material aus Beschäftigtenperspektive deutlich ausführlicher und ergiebiger als erwartet (insbesondere Gruppendiskussionen, offene Fragen der Beschäftigtenbefragung). Auch wenn das Material selektiver dokumentiert ist als es den heutigen Standards entspricht (aufgrund der Protokollierung anstelle der vollständigen Transkription), hat es sich doch als aussagekräftig genug erwiesen, um einen sinnvollen Längsschnittvergleich durchzuführen. Weil hier bereits in den frühen Studien die subjektiven Orientierungen der Beschäftigten im Mittelpunkt standen, ist diese Materialart für qualitativ-interpretative Sekundärauswertungen deutlich besser geeignet als die Experteninterviews.

Erste Befunde:

Vortrag von Wolfgang Menz Februar Konferen (Datei dunkelmenz_170207.pptx)