Permanente Revolution? Produktive Mobilmachungen, Rationalisierungskonflikte und wettbewerbszentrierte Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie 1980 – 2005

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Permanente Revolution? Produktive Mobilmachungen, Rationalisierungskonflikte und wettbewerbszentrierte Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie 1980 – 2005 2017-10-02T09:50:10+00:00

Permanente Revolution? Produktive Mobilmachungen, Rationalisierungskonflikte und wettbewerbszentrierte Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie 1980 – 2005

Bearbeiter: Dr. Thomas Eilt Goes, SOFI

Im Zentrum des Projektes steht die Frage, wie sich die Arbeitsbeziehungen (im Kontext von Rationalisierungspolitiken) innerhalb der Automobilindustrie verändert haben. Der Untersuchungszeitraum reicht von 1980 bis etwa 2005. Betrachtet werden dabei die strategischen Deutungen von Managern, Belegschaftsrepräsentanten und – selektiv – Beschäftigten. Als Primärstudien wurden die SOFI-Untersuchungen „Ende der Arbeitsteilung?“, „Trendreport Rationalisierung“, „Rationalisierung in Eigenregie“ und „Arbeit 5000“ ausgewählt. Dieses Datenmaterial wird ergänzt durch weitere Quellen, etwa gewerkschaftliche Publikationen, Belegschaftszeitungen und Materialien aus der Vorstandsverwaltung der IG Metall. Es wurden Interviews mit Managern und Betriebsräten gelesen und ausgewertet, als auch weitere Quellen erschlossen. Dazu gehört die Lektüre von „Manager-Denkbüchern“, also etwa Biografien und strategische Positionierungen (Peter Hartz), die Aufschluss über Sichtweisen und Deutungsangebote bieten, die innerhalb des Managements verhandelt wurden. Darüber hinaus wurden Leitfäden für Zeitzeugeninterviews entwickelt und Interviews („Oral History“) mit ehemaligen Interessenrepräsentanten geführt (8-10). Weitere Arbeitsschritte betrafen die Präzisierung des theoretischen Zugriffs, der gewählt wird, sowie die Vertiefung in die Branchen- und Mitbestimmungsgeschichte. Geplant ist zusätzliches Archivmaterial zu erschließen. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Auswertung des Primärmaterials.

Erste Befunde:

Für erhärtete Befunde ist es noch zu früh. In der laufenden Auswertung zeichnet sich aber eine erste soziologische Deutung ab. Rekonstruiert man die strategischen Deutungen von Betriebsräten und Managern sowohl im Kontext betrieblicher Rationalisierungsprozesse als auch sich verändernder sozioökonomischer Rahmenbedingungen, dann wird in der Tat ein Funktionswandel der Arbeitsbeziehungen in der Automobilindustrie sichtbar.

Die beiden eingangs umrissenen Thesen erfassen daher, so mein Argument, lediglich einen Teilaspekt der Austauschbeziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Was sich seit den 1980er Jahren herausgebildet hat, ist ein neuartiges Arbeitsbeziehungsregime, das in Anlehnung an Michael Burawoy (Burawoy 1982, 1985) als „Hegemonialer Markt-Despotismus“ bezeichnet werden kann (Webster/Lambert/ Bezuidenhout 2008, 52ff.). Es fußt zum einen auf Errungenschaften der 1960er und 1970er Jahre, insbesondere auf der hohen „institutionellen Beschäftigtenmacht“ und beträchtlicher gewerkschaftlicher Organisationsmacht in der Branche. Managerielle Partizipationsangebote einerseits, diese einhegender Marktdruck (aufgrund gestiegener Kapitalmobilität, Transnationaler Verflechtungen und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit) ließen Belegschaftsrepräsentanten im Laufe der Zeit gleichwohl zu „Rationalisierern in Eigenregie“ werden, wie sich anhand der strategischen Deutungen insbesondere nach 1990 verdeutlichen lässt – Konflikte verschwinden gleichwohl nicht, sie werden allerdings im Rahmen einer ‚sozial nachhaltigen Wettbewerbsstrategie‘ der Betriebsräte durchgefochten.

Literatur:

Burawoy, Michael (1979): Manufacturing Consent. Changes in The Labor Process Under Monopoly Capitalism. Chicago.

Ders. (1982): Between The Labor Process And The State: The Changing Face of Factory Regimes Under Advanced Capitalism. In: American Sociological Review. Vol. 48. S. 587-605.

Ders. (1985): Politics in Production. Factory Regimes Under Capitalism And Socialism. London.

Dörre, Klaus (2016): Die neue Konfliktformation. Klassen-Kämpfe in fragmentierten Arbeitsbeziehungen. In: Industrielle Beziehungen. Hft. 3. S. 348-365.

Dörre, Klaus/Goes, Thomas/Schmalz, Stefan/Thiel, Marcel (2016): Streikrepublik Deutschland? Frankfurt/M.

Kädtler, Jürgen (2016): Konfliktpartnerschaft – zwischen Auslaufmodell und sozialer Innovation. In: Industrielle Beziehungen. Hft. 3. S. 334 – 347.

Ders. (2006): Sozialpartnerschaft im Umbruch. Industrielle Beziehungen unter den Beidngungen von Globalisierung und Finanzmarktkapitalismus. Hamburg.

Rehder, Britta (2016): Konflikt ohne Partnerschaft? Arbeitsbeziehungen im Dienstleistungssektor. In: Industrielle Beziehungen, Hft. 3. S. 366-373.

Schroeder, Wolfgang (2016): Konfliktpartnerschaft – still alive. Veränderter Konfliktmodus in der verarbeitenden Industrie. Industrielle Beziehungen, Hft. 3. S. 374-392.

Streeck, Wolfgang (2016): Von Konflikt ohne Partnerschaft zu Partnerschaft ohne Konflikt: Industrielle Beziehungen in Deutschland. In: Industrielle Beziehungen, Hft. 1. S. 47-60.

Webster, Edward/Lambert, Rob/Bezuidenhout, Andries (2008): Grounding Globalization. Labour in The Age of Insecurity. Oxford.

Wright, Eric Olin (2000): Working-Class Power, Capitalist-Class Interests, and Class Compromise. In: American Journal for Sociology. Vo. 105. S. 957-1002.