Datenschutz

Datenschutz 2018-01-17T11:08:47+00:00

AG-Team „Datenschutz“

  • Heidemarie Hanekop
  • Jan Mielenhausen
  • Tobias Gebel
  • Jakob Köster
  • Wolfgang Dunkel
  • Katja Pohlheim

Der Umstand, dass viele DatenhalterInnen Bedenken haben, ihr Material für eine sekundär­analytische Nutzung zur Verfügung zu stellen, ist eng mit Problemen der Anonymisierung verbunden. Letztere treten bei qualitativer Forschung immer dann zu Tage, wenn Personen befragt werden (Medjedovic/Witzel 2010). Immerhin werden dabei Daten erhoben, die „Einzelangaben über persönliche und sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person“ (§ 3 Abs. 1 BDSG) beinhalten. Es handelt sich also um personenbezogene Daten, die dem Bundesdatenschutz und damit besonderen Schutzrechten unterliegen.

Innerhalb der AG Anonymisierung wurde diskutiert, wie die Datenschutzgesetzgebung der einzelnen Ebenen (EU-Recht bis Landesgesetzgebung) zu berücksichtigen und anhand von beispielhaften Daten aus dem SOFI, dem ISF, der SFS und dem IfS Jena wurden die Schutzwürdigkeit und die Risiken der Primärdaten sowie die Anforderungen der Sekundäranalysen evaluiert. Es wurde ein differenziertes Konzept der Risikobewertung erarbeitet, darauf aufbauende IT-gestützte Anonymisierungsverfahren entwickelt und geeignete Freigabeprozesse mit Benutzerrollen konzipiert.

Die zentrale Herausforderung für die Archivierung und sekundäranalytische Nutzung liegt hierbei darin, das qualitative Daten in der Arbeits- und Industriesoziologie sehr dichte Beschreibungen beinhalten, die komplexe Einblicke in kombinierte biografische und betriebliche Kontexte und Strukturen geben. Damit besteht eine Gefahr der Identifikation durch Sekundärdatenutzende die selbst über organisations- und personenbezogenes Wissen, insbesondere im Fall von Experteninterviews, verfügen bzw. sich auf einfachen Weg (Onlinesuche) besorgen können. Zudem besteht durch die Kombination der von biografischen und organisationalen Informationen ein doppeltes Identifizierungsrisiko von Personen durch Informationen der Organisation und umgekehrt.

Dieser spezifischen Gefahrenlage wurde im Rahmen der Risikobewertung der Daten Rechnung getragen und eine datenbezogene Risikoklassifizierung erstellt. Entsprechend den Risikoklassen wurden daran anschließend differenzierte Anonymisierungsstufen und Zugangswege für Nutzergruppen konzipiert. Dadurch ergibt sich insbesondere die Möglichkeit über gestufte Anonymisierungsgrade mehr oder weniger anonymisiertes Material, entsprechend den Forschungsinteressen verfügbar zu machen. Die Sicherstellung des Schutzes der Befragten wird bei diesem Vorgehen durch zusätzliche technische (Zugangskontrollen) und organisatorische Maßnahmen (Nutzerverträge) sichergestellt. Ein solches Vorgehen wurde jüngst auch in einem höchstrichterlicher Beschluss des Europäischen Gerichtshofes zur relativen Bewertung von Anonymität (Urteil vom 19.10.2016, Az.: C‑582/14 zu einem an-5 -deren Fall) bestätigt und wird auch unter der neuen europäischen Datenschutz Grundverordnung bestand haben.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen und der Implikationen für die Archivierung und Verfügbarmachung qualitativer Studien in der Arbeits- und Industriesoziologie wurden erarbeitet. Ein besonderer Schwerpunkt lag hierbei insbesondere in der Ermöglichung der Archivierung und Verfügbarmachung qualitativer Studien sowie auf der Fragen des Urheberrechts bei qualitativen Daten. Hierzu erfolgte ein intensiver Austausch mit wissenschaftserfahrenen Datenschützern und die Mitarbeit des FDZ-BO in der Arbeitsgruppe Datenschutz bei Rat für Sozial und Wirtschaftsdaten (RatSWD), die Ergebnisse und deren Implikationen für die Arbeits und Industriesoziologische Forschungspraxis wurden im Rahmen einer Handbuchpublikation und Verträgen der Fachöffentlichkeit zugänglichgemacht.

Die Evaluation der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Archivierung und Bereitstellung qualitativer Daten diente der Entwicklung des Datenschutzkonzeptes und der Konzipierung eines Anonymisierungs- und Freigabeprozess für die Daten. Der Schwerpunkt lag hierbei insbesondere auf Vorschlägen zur Konzipierung von Risikoklassen von Forschungsdaten, von Anonymisierungsverfahren für qualitative Daten und von Bereitsstellungsmodellen für qualitative Daten der Arbeits- und Industriesoziologie, in Abhängigkeit von der Risikobewertung.